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Karstquellen / Kocherursprung
Am Fuß der Schwäbischen Alb entspringt aus zwei Karstquellen im Schwäbischen Jura ein Nebenfluss des Neckars. Der Kocher, mit den zwei Quellflüssen Schwarzer Kocher und Weißer Kocher. Das aquabotanische Leben pulsiert dort zu jeder Jahreszeit und ist immer einen Ausflug wert. Das Einzugsgebiet umfasst etwa 20 Quadratkilometer und ist fast vollständig bewaldet. Nach 180 Flusskilometern mündet der Fluss bei Kochendorf in den Neckar.
Die Quellregion des Schwarzen Kochers bei Oberkochen sieht wenig spektakulär aus. Unmittelbar danach folgt jedoch eine wunderschöne Strecke mit üppigem Bewuchs unter und über Wasser.
Prächtige, sattgrüne Pflanzenpolster verschiedener Arten erstrecken sich hier über mehrere hundert Meter bis zum Stadtgebiet Oberkochen.
Die oft gehörte Behauptung, in natürlichen Pflanzengewässern gäbe es nie die Vielfalt verschiedener Arten, sondern überwiegend Monokultur, wird am Kocher alle paar Meter widerlegt.
In solchen periodisch ganz, halb oder nicht untergetauchten Moospolstern lebt eine Vielzahl von Tieren.
Eine Steinfliegenlarve im Moos. Das Tier ist nur knapp 3 mm lang (ohne Schwanzanhänge). Steinfliegenlarven zeigen sehr gute Wasserqualität an. Viele Steinfliegenlarven leben räuberisch, die kleineren Arten fressen überwiegend Detritus (Zerfallsprodukte organischer Substanz).
Wo das eigentliche Quellgebiet endet, fließt das Wasser über einen mit Kalksteinen gestalteten Ablauf mit relativ starker Strömung. Genau hier findet man eine besondere Alge: Vaucheria sessilis (?). Sie bildet in der Strömung kompakte, dunkelgrüne Polster, die sich wie ein fester Schwamm anfühlen. Vaucheria ist ideal an einen Lebensraum mit wechselndem Wasserstand angepasst. Karstquellen führen nicht gleichmäßig viel Wasser, so dass die Algen bei geringer Schüttung durchaus über einige Tage trockenfallen können. Durch ihre verfilzte Struktur gelingt es, viel Wasser zu speichern.
Im Normalzustand kann man Vaucheria leicht mit Cladophora verwechseln. Mikroskopisch sieht sie unter bestimmten Bedingungen dann so aus. Es bilden sich so genannte Synzoosporen und Keimlinge.
Der Ursprung des Weißen Kochers in Unterkochen liegt in einem Schonwald und hat die landschaftlich eindeutig reizvollere Umgebung.
Zu allen Jahreszeiten bietet der Kocherursprung herrliche Fotomotive.
Bei entsprechend niedriger Außentemperatur dampft der 8 °C "warme" Fluss und und lässt jedes Fotografenherz höher schlagen.
Auch im tiefen Winter wachsen im 8 °C warmen Quellwasser noch wunderschöne Polster des Wassersterns (Callitriche sp.) und weitere Pflanzen.
Im Frühling und Sommer entfaltet das Leben auch außerhalb des Wassers seine volle Pracht.
Mit ein wenig Glück und bei geeigneter Witterung (kühl und nass) findet man am Kocherursprung auch noch die recht selten gewordenen Feuersalamander (Salamandra salamandra).
Groenlandia densa, das Fischkraut, gilt als stark gefährdet. Hier am Kocher wächst es an manchen Stellen noch ausgesprochen stark.
Groenlandia densa, mittlerweile leider ein sehr selten gewordener Blickfang für Freunde submers wachsender Pflanzen.*
Im nährstoffreichen Quellwasser gedeihen submerse Pflanzen in unglaublicher Pracht. Hier wachsen Grönlandia densa und Egeria canadensis. Natürlich fühlen sich auch Fische in einer solchen Umgebung wohl.
Eine Bachforelle (Salmo trutta fario) im Schwarzen Kocher.
Hier stehen Döbel (Leuciscus cephalus) in der Strömung. Früher war der Kocher bereits nahe seines Ursprungs durch die Abwässer mehrerer Papierfabriken und einer Textilveredlung extrem belastet. Nachdem strenge Umweltauflagen umgesetzt wurden, hat sich dieses wunderschöne Fließgewässer weitgehend erholt und bietet Fischen und Pflanzen wieder einen gesunden Lebensraum. Einige Kilometer flussabwärts, bei Abtsgmünd, sind noch immer herrliche Unterwasserpflanzen zu beobachten.
Auf Wiedersehen am Kocherursprung!
* Ein herzliches Dankeschön an Cord Hildebrand und Heiko Muth für das Bestimmen der Groenlandia densa! |
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