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 2. Testbericht Seemandelbaumrinde

Herr Haase aus Meine schrieb uns in seinem Testbericht:

Die Wirkung der Seemandelbaumrinde zu testen war für mein Aquarium ein optimaler Zeitpunkt. Bei einigen Fischen wie den Blauen Neons, Copella nattereri und Otocynclus war so etwas wie eine bakterielle Infektion zu erkennen. Zu erkennen war an den Neons und Copellas eine Hauttrübung, Schleimüberproduktion, etwas abstehende Schuppen und rot entzündete Stellen am Flossenansatz der Copellas. Bei den Otocynclus war nur die Entzündung zu sehen die sich besonders stark im Maul zeigte. Nach Recherche im Internet kam so einiges in Frage, wie z. B. Samtkrankheit, Columnaris, Hautnekrose, oder Costia necratix, was parasitär wäre.100%ig bestimmen konnte ich aber die Krankheit(en) nicht. Des Weiteren bot sich bei mir auch die Beobachtung der Wirkung gegen Grün- und Blaualgen an. Hier stellte sich aber letztendlich heraus, dass es ein Nährstoffproblem war. Hauptsächlich waren die kaum vorhanden Mengen an Nitrat und Phosphat dafür verantwortlich.
 
Nun zum Testverlauf:
 
Tag 1: Von der mir zur Verfügung gestellten Menge wurden ca. 80% der Seemandelbaumrinde in  mein 350 l Becken gegeben. Die Seemandelbaumrinde wurde vorher mit kochendem Wasser übergossen, einige Minuten darin liegengelassen und danach abgekühlt. Nach einigen Stunden im Wasser hat sich die zusammengerollte Rinde nach und nach etwas entfaltet.
 
Tag 2: Das Wasser färbt sich wie klares Schwarzwasser bei Torffilterung.

Das Becken am Tag 2

Tag 3: Die Färbung ist wirklich stark, das Wasser entwickelte einen Urin-ähnlichen Geruch. Wasserwerte wie NO2-, NO3-, PO43-, pH, GH, KH, Fe wurden gemessen, alles blieb unverändert. Der wöchentliche Wasserwechsel von rund 50 % wurde durchgeführt.
 
Tag 4: Das Wasser sieht nach dem Wasserwechsel wieder ziemlich normal aus, der Geruch ist auch verschwunden.
 
Tag 8: Die restliche Menge der Seemandelbaumrinde wurde ins Becken gegeben. Die Entzündung bei den Copellas und Otocynclen ist fast verschwunden, auch die betroffenen Blauen Neons sehen deutlich besser aus.
 
Tag 10: Es wurde wieder der übliche 50% Wasserwechsel durchgeführt, Wasserwerte weiterhin unverändert.
 
Tag 16. Wieder der übliche 50% Wasserwechsel, Wasserwerte weiterhin unverändert. Wie später erst festgestellt, zersetzt sich die innere Schicht der Rinde und führt in nächster Zeit zu verstärkter Mulmbildung. Bei den betroffenen Fischen ist nichts mehr von Krankheit zu erkennen, ein Blauer Neon verliert langsam immer mehr Farbe.

Tag 22. Der übliche 50% Wasserwechsel, Wasserwerte weiterhin unverändert. Die Fische sehen alle geheilt aus, ein Blauer Neon hat fast die Farbe verloren, verhält sich aber normal.

Tag 22

Tag 26: Ende des Tests. Alle Fische sind wohlauf, der jetzige Blaue "Albino" Neon zeigt immer noch ein normales Verhalten, an Neonkrankheit glaube ich nicht. Auch andere Neons hatten eine leichte Farbstörung, die aber während der Behandlung nicht weiter fortgeschritten ist.

Tag 26

Fazit:
 
Die Seemandelbaumrinde hat bei mir einen positiven Eindruck hinterlassen und ich würde sie wieder verwenden, wenn sie im Handel zu erwerben ist. Bis auf ein paar Unannehmlichkeiten wie Schwarzwasser, der auftretende Geruch am Anfang und die Mulmbildung überwiegen jedoch die Vorteile, eine gute Alternative zu Zierfischheilmitteln nach meiner Ansicht.

Saugende Bodenfische wie Otocynclus, Peckolita, Ancistrus und die Garnelen haben kein Interesse an der Rinde gezeigt oder sich daran gestört.

Hinsichtlich der Grün- und Blaualgen konnte ich keine Wirkung feststellen.
 
Mit freundlichen Grüßen und vielen Dank
 
Torsten Haase



Anmerkungen von aquamax, Bernd Kaufmann:

Herzlichen Dank an Herrn Haase für diesen ausführlichen Testbericht!

Der festgestellte Geruch des Wassers wurde bisher in keinem anderen Testbericht erwähnt und auch von uns in keinem der zahlreichen Versuche wahrgenommen. Bei starker Überdosierung in Probegefäßen hatte das Wasser einen eher erdigen Geruch. Aber Geruchswahrnehmungen sind manchmal sehr subjektiver Natur. Eventuell stammte dieser Geruch auch von den vorhandenen Blaualgen, die meist intensiv und unangenehm riechen.

Zur aktiven Grünalgenbekämpfung kann die Rinde selbstverständlich nicht eingesetzt werden. Die durchaus als intensiv zu bezeichnende bakterienhemmende Wirkung wird allerdings in mehreren Testberichten bestätigt. In eigenen Versuchen konnten eindeutig an bakteriellen Infektionen erkrankte Fische geheilt werden. Aus diesen Erfahrungen leiten wir auch die Vermutung einer Hemmung von Cyanobakterien (Blaualgen) ab. Allerdings ist es auch klar, dass Bakterienhemmung alleine nicht ausreicht. Wir empfehlen Herrn Haase, den bereits eingeschlagenen Weg, schnellwüchsige Pflanzen zu verwenden und starke Wasserwechsel zu machen, konsequent weiter zu verfolgen, um sein Algenproblem zu lösen.